
Created using Perplexity AI
geschrieben von Karolina Capala, Talent Community Managerin bei cyberunity AG
Warum Ehrlichkeit bei formalen Nachweisen mehr zählt als du denkst.
Ein Job steht im CV. Die Daten und die Beschreibung stimmen.
Das Arbeitszeugnis fehlt.
Oder: Ein Studium steht im CV. Es fehlt das Abschlussdatum oder der Hinweis, dass es abgebrochen wurde.
Der Arbeitgeber merkt es sofort. Und denkt: Warum wird hier nicht klar und offen kommuniziert?
Warum fehlt ein Arbeitszeugnis?
In seltenen Fällen wird kein Arbeitszeugnis ausgestellt. Aber meistens gibt es einen anderen Grund.
Was wir feststellen: Arbeitszeugnisse werden meist dann nicht gezeigt, wenn sie negative Formulierungen enthalten. Oder weil sie nie angefordert wurden, was ebenfalls ein Signal ist.
Das Problem: Ein fehlendes Arbeitszeugnis wirft mehr Fragen auf als ein negatives.
Fordere immer ein Arbeitszeugnis
Du hast ein Recht darauf. Immer! Auch nachträglich.
In der Schweiz ist das in Art. 330a OR geregelt.
In Deutschland ist das in §109 der GewO und in §630 BGB geregelt.
In Österreich ist das in §1163 ABGB sowie spezifischer in §39 AngG und §19 GAngG geregelt.
Wenn es tatsächlich einmal vergessen ging, fordere es nach. Jede Lücke ist eine Tücke. Auch bei Arbeitszeugnissen.
Was ist, wenn das Arbeitszeugnis unvorteilhafte Formulierungen enthält?
Wenn das einmal der Fall ist, dann ist das kein Beinbruch. Dann solltest du eine ehrliche und nachvollziehbare Erklärung dafür geben.
Du kannst im CV unter der jeweiligen Berufserfahrung ergänzen:
- „Zu einzelnen Passagen im Arbeitszeugnis gibt es Erklärungsbedarf. Sehr gerne würde ich auf diese Punkte in einem persönlichen Gespräch eingehen.“
Kurz, sachlich, ohne Drama.
Man kann daraus auf deinen Kommunikationsstil und auch ein Stück auf deine Persönlichkeit schliessen. Wie gehst du damit um, wenn es mal nicht so gut läuft? Aktiv nach vorne oder eher passiv zurückhaltend beziehungsweise verschleiernd?
Wichtig
Kein Arbeitszeugnis ist schlechter als ein schlechtes Arbeitszeugnis.
Menschen dürfen Fehler machen. Auch mal etwas schlecht machen. Wer sich jedoch entscheidet Dinge zu vertuschen oder ganz wegzulassen, macht es schlimmer.
Es gibt nichts Stärkeres als die Wahrheit. Und ja, die braucht manchmal Mut.
Abgebrochene Ausbildungen
Das gleiche Prinzip gilt für Ausbildungen.
Wenn du ein Studium oder eine Ausbildung abgebrochen hast, soll das auf dem CV stehen.
Nicht weil der Abbruch ein Problem ist. Sondern weil das Verschweigen eines ist.
So machst du es richtig
Schwach:
- Studium Informatik, Universität Zürich, 2018 – 2020
- [Kein Hinweis, dass es abgebrochen wurde]
Stark:
- Studium Informatik, Universität Zürich, 2018 – 2020 (ohne Abschluss)
- Fokus auf praktische Erfahrung: Wechsel in technische Security-Rolle
Du erklärst warum. Du gibst Kontext. Du zeigst, dass es eine bewusste Entscheidung war und kein Scheitern.
Warum das wichtig ist
Arbeitgeber prüfen Ausbildungen. Besonders in der DACH-Region.
Wenn ein Studium im CV steht ohne Abschlussdatum oder ohne Hinweis auf den Abbruch, dann kommt es spätestens dann raus, wenn man nach deinen Diplomen fragt. Aber dann ist das Vertrauen schon weg.
Ein abgebrochenes Studium ist kein Problem. Aber ein verschleiertes schon.
Die drei häufigsten Fehler bei Ausbildungen
1. Abbruch nicht erwähnen
Du schreibst „Studium XY, 2018–2020“ aber verschweigst, dass du keinen Abschluss hast.
Lösung: Schreib „abgebrochen“ oder „ohne Abschluss“ dazu. Kurz erklären warum.
2. Laufende Ausbildung nicht kennzeichnen
Du schreibst „Master Cyber Security, 2022–2025“ aber du bist noch nicht fertig.
Lösung: Schreib „Master Cyber Security, 2022–heute (laufend)“.
3. Irrelevante Ausbildungen weglassen und Lücken schaffen
Du hast eine kaufmännische Lehre gemacht, bevor du in die IT gewechselt bist und lässt sie weg.
Lösung: Nimm sie rein. Eine Zeile. Zeigt, dass du einen Weg gegangen bist.
Transparenz bei formalen Nachweisen ist nicht verhandelbar
Arbeitszeugnisse und Ausbildungen sind überprüfbar. Jederzeit.
Wenn du hier nicht ehrlich bist, wird es auffallen. Spätestens im Background Check. Oder im Gespräch.
Und dann ist nicht nur das Interview vorbei. Dann ist deine Glaubwürdigkeit vorbei.
Geh deinen CV durch:
- 1. Fehlen Arbeitszeugnisse? Wenn ja, warum?
- 2. Habe ich Ausbildungen abgebrochen, ohne es zu kennzeichnen?
- 3. Gibt es laufende Ausbildungen, die nicht als „laufend“ markiert sind?
- 4. Habe ich Ausbildungen weggelassen und dadurch Lücken in meinem Werdegang geschaffen?
Wenn ja, korrigiere es!
Nächste Woche: Der rote Faden. Warum das in der Schweiz so wichtig ist und wie du ihn stärkst.
Dieser Artikel ist Teil der cyberunity CV-Serie für Cyber Security Professionals in der DACH-Region.